MZ-HyprNurs ist eine spezialisierte Desktop-Anwendung für die mündliche Pflege-Übergabe beim Schichtwechsel. Sie bringt Struktur an den Stationstresen und ersetzt den fehleranfälligen Word-Zettel durch eine einheitliche, tastaturgeführte Bettenübersicht.
Geschrieben in Rust, läuft nativ unter Linux, macOS und Windows. Alle Daten bleiben lokal in einer lesbaren Markdown-Datei - kein Server, keine Cloud, keine Telemetrie, kein Update-Check. Der Quellcode ist offen und liegt auf Github.
Primäres Zielsystem ist Omarchy Linux - eine Arch-Linux-Distribution mit dem Fenstermanager Hyprland. Dort liest die Anwendung die Systemfarben aus der colors.toml des aktiven Themes und passt sich automatisch an. Unter Windows, macOS und auf jedem anderen Linux läuft MZ-HyprNurs mit vollem Funktionsumfang - einzig die Systemfarben-Integration entfällt.
Das Problem.
In vielen Kliniken läuft die Schichtübergabe über einen handgepflegten Word-Zettel: eine Tabelle mit Zimmernummern, Namen und Stichpunkten, ausgedruckt, abends in den Aktenschrank, morgens wieder heraus. Wer einmal mit einer solchen Vorlage gearbeitet hat, kennt das Muster: Zellen verrutschen, Schriftgrößen wandern, jede Kollegin formatiert anders - und am Ende liest jeder etwas anderes heraus.
MZ-HyprNurs setzt genau hier an. Die Anwendung stellt alle Betten einer Station als Karten nebeneinander dar. Jede Karte hat sechs klar definierte Felder: Patient, Hauptdiagnose, Nebendiagnose, Pflege, Info und offene Aufgaben für die Folgeschicht. Ein Klick öffnet das Detailfenster, die Eingabe erfolgt fokussiert an einer einzigen Stelle.
Klare Abgrenzung.
Dieser Abschnitt steht bewusst früh. MZ-HyprNurs ist kein Klinik-Informationssystem, kein Dokumentationssystem, keine Medikationsverwaltung und keine Patientenakte. Was in der Anwendung erfasst wird, sind persönliche Kurznotizen der Pflegekraft - der strukturierte Merkzettel für die nächste Schicht.
Verbindliche und vollständige Patientendaten gehören ausschließlich in das offizielle System der Einrichtung. MZ-HyprNurs liefert das Wichtigste auf einen Blick - für eine schnelle, strukturierte Übergabe am Stationstresen.
Diese Abgrenzung ist architektonisch verankert: Die Anwendung hat bewusst keine Schnittstellen zu anderen Systemen. Keine API, kein Datenbankexport, keine KIS-Integration. Es handelt sich um Notizen, nicht um Dokumentation - und genau diese Trennung schützt die Verantwortlichen.
Die Bettenübersicht.
Nach dem Start erscheinen alle Zimmer der Station nebeneinander. Pro Zimmer ein bis zwei Betten, jedes als eigene Karte. Eine Karte enthält:
- Zimmernummer und Bettbezeichnung in einem farbig hinterlegten Kopfblock.
- Patientenname, Alter, Geschlecht und Besonderheiten wie Isolation, Allergien oder Sturzrisiko.
- Fünf Felder für Diagnosen, Pflegehinweise, Informationen und offene Aufgaben.
Leere Betten werden als grauer Block gekennzeichnet. Die Navigation ist vollständig per Tastatur möglich: Pfeiltasten wählen eine Karte, Enter öffnet das Detailfenster. Maussteuerung funktioniert gleichwertig.
Das Detailfenster.
Die vollständige Dateneingabe erfolgt zentral in einem Popup über der Übersicht. Erfasst werden Nachname, Vorname, Geburtsdatum und die Kurztexte für jedes Feld. Das Alter berechnet sich automatisch aus dem Geburtsdatum.
Ein fachlich relevantes Detail: Die Anwendung unterscheidet zwischen rechtlichem Geschlecht für die Anrede [Herr, Frau, keines] und biologischem Geschlecht für medizinisch relevante Zusammenhänge [m/w/d]. Für Laborwerte und Dosierungen ist die Biologie ausschlaggebend, für die Anrede auf einem Aushang hingegen nicht.
Das Dateiformat.
Gespeichert wird in einer einzigen Markdown-Datei. Reine, menschenlesbare Textdatei, zu öffnen mit jedem beliebigen Editor. Ein Ausschnitt:
# MZ-HyprNurs
**Station:** Station 5C
**HyprInfo:** Übergabe 06:00 - Nachtdienst ruhig
## Zimmer 101
### Bett A
**Nachname:** Hamster
**Vorname:** Hans
**Geburtsdatum:** 01.01.1952
**Anrede:** Hr.
**Biologisches Geschlecht:** m
**Besonderheiten:** Isolation
**Hauptdiagnose:** Pneumonie links
**Nebendiagnose:** Diabetes mellitus Typ 2
**Pflege:** mit Hilfe mobil, Sturzrisiko
**Info:** Labor 14 Uhr
**ToDo:** Röntgen-Termin klären
Diese Format-Entscheidung ist bewusst getroffen. Markdown lässt sich per Git versionieren, ist in zehn Jahren noch lesbar und benötigt die Anwendung selbst nicht mehr. Wer MZ-HyprNurs irgendwann nicht mehr nutzt, behält sämtliche Daten als Klartext - unabhängig von proprietären Exportpfaden.
Druckausgabe als PDF und ODT.
Für die Übergabe stehen zwei Exporte bereit: ein druckfertiges PDF in DIN A4 [7-pt-Schrift, kompakt für das Klemmbrett] und ein bearbeitbares ODT [11 pt, sobald die PDF-Schrift zu klein wird]. ODT ist das Open Document Format und öffnet sich problemlos in LibreOffice, Google Docs und Microsoft Word.
Warum ODF, nicht DOCX
Der IT-Planungsrat hat am 19. März 2026 mit Beschluss 2025/06 im Rahmen des Deutschland-Stacks festgelegt, dass der Dokumentenaustausch in der gesamten öffentlichen Verwaltung verbindlich auf ODF und PDF umgestellt wird. Microsoft OOXML - also DOCX und XLSX - ist nicht vorgesehen. Umsetzungsfrist: 2027. MZ-HyprNurs erfüllt diesen Standard bereits heute.
Der Deutschland-Stack ist das vom IT-Planungsrat getragene Rahmenwerk für eine souveräne Digitalverwaltung von Bund, Ländern und Kommunen. Er bündelt über 50 offene Standards und offene Schnittstellen - von Dokumentenformaten über sichere Kommunikation bis zu verwaltungsweiten Basisdiensten. Ziel ist Unabhängigkeit von proprietären Einzel-Anbietern und durchgängige Interoperabilität zwischen Behörden.
Jede Exportdatei trägt Datum und Uhrzeit im Dateinamen, etwa MZ-HYPRNURS_Station5C_2026-03-25_06-30.pdf. Exporte überschreiben sich dadurch nicht gegenseitig und lassen sich bei Bedarf in einem Archivordner ablegen.
Parallele Nutzung im Team.
Liegt die Markdown-Datei auf einem gemeinsamen Netzwerklaufwerk, können mehrere Pflegekräfte parallel damit arbeiten. Einen Live-Sync gibt es bewusst nicht - das wäre ein anderes Produkt - dafür erkennt die Anwendung beim Speichern zuverlässig, wenn die Datei zwischenzeitlich verändert wurde.
Im Konfliktfall erscheint pro betroffenem Bett ein kompaktes Dialogfenster: links „Meine Änderungen", rechts „Andere Änderungen". Pro Bett wird entschieden, welche Version übernommen wird. Kein Merge-Werkzeug, kein Rebase - drei Klicks, und die Übergabe ist konsistent.
HyprGross-Modus für große Bildschirme.
Steht an der Bettenstation ein großer Monitor, aktiviert Strg+G den HyprGross-Modus: ein einzelnes Feld eines Bettes wird bildschirmfüllend in roter Schrift dargestellt. Mit den Pfeiltasten bewegt man sich durch Felder und Betten. Gedacht für den schnellen Blick aus mehreren Metern Entfernung.
Sechs Farbschemata, inklusive Nostalgie.
Zur Auswahl stehen sechs Themes: hell, dunkel, drei CRT-Varianten [Phosphorgrün, Rot, CTM644-Blaugelb] und ein Omarchy-Theme, das die Systemfarben übernimmt, sofern Omarchy Linux installiert ist. Die CRT-Themes sind nicht nur Augenzwinkern - auf älterer Hardware mit schwachen Monitoren ist der Kontrast von Phosphorgrün und Rotmonitor überraschend angenehm zu lesen.
Das Rotmonitor-Theme hat im Stationsalltag einen ganz konkreten Nutzen: Im Nachtdienst wird auf den Stationen das Licht bewusst heruntergedimmt - die Patienten schlafen, Monitore, Statusleuchten und Flurlampen sind auf ein Minimum reduziert. Ein klassisch hell leuchtender Bildschirm am Stationstresen bricht diese Atmosphäre sofort: er blendet, er verrät Abstand und er stört die Nachtadaptation der Augen, die eben noch im abgedunkelten Patientenzimmer gearbeitet haben.
Rotes Licht im Bereich um 630 bis 700 nm enthält praktisch keinen blauen Anteil. Genau dieser blaue Anteil ist es, der die Melatonin-Ausschüttung unterdrückt und damit nachts sowohl die Müdigkeit als auch die spätere Erholung beeinträchtigt. Militär, Luft- und Raumfahrt nutzen rotes Licht im Cockpit und in Kontrollräumen seit Jahrzehnten aus genau diesem Grund: die Dunkeladaptation der Augen bleibt erhalten, der zirkadiane Rhythmus wird kaum gestört, der Bildschirm ist in der dunklen Umgebung nicht mehr grell, sondern ruhig lesbar. Dieselbe Überlegung steckt hinter dem Rotmonitor-Theme von MZ-HyprNurs.
Dazu kommen ein Screensaver nach 60 Sekunden Inaktivität und - auf Wunsch - ein Matrix-Regen in roter Schrift. Spielerische Details, die den Charakter der Anwendung prägen.
Warum Rust.
Rust ist für diese Art Anwendung nahezu ideal: eine einzige Binary ohne externe Laufzeitumgebung, plattformübergreifend kompilierbar, schnell und speichersicher. Kein Java, keine Python-Umgebung, kein Electron mit eingebettetem Browser. Die Release-Builds für Linux, macOS und Windows entstehen aus demselben Quellcode - nur das Build-Target wechselt.
Die Oberfläche ist mit egui/eframe gebaut, einem Immediate-Mode-GUI-Framework für Rust. Abseits des Mainstreams, aber schlank, schnell und ohne WebView. Der gesamte Funktionsumfang liegt kompakt in der Quelldatei src/main.rs.
Ressourcenschonend im Stationsalltag.
Programmieren gelernt wurde in den Achtzigern. Damals maß man Arbeitsspeicher in Kilobyte, jedes Byte war eine Entscheidung, Effizienz war kein Buzzword, sondern Voraussetzung. Diese Schule prägt den Code bis heute.
MZ-HyprNurs verbraucht wenig Arbeitsspeicher, wenig CPU und keinerlei Netzwerkbandbreite. Kein Hintergrundverkehr, keine externen Dienste, kein Nachladen. Auf den oft schwachen Stationsrechnern im Klinikalltag macht das einen spürbaren Unterschied zu einem modernen Electron-Programm.
Keine eigene Benutzerverwaltung - eine bewusste Entscheidung.
MZ-HyprNurs bringt keine eigene Benutzerverwaltung und keine Passwörter mit. Das ist Architektur, nicht Auslassung: Der Stationsrechner ist bereits durch Betriebssystem und Netzwerk-Infrastruktur abgesichert. Zugangskontrolle gehört auf diese Ebenen, verantwortet durch die IT-Abteilung - nicht in eine Notiz-Anwendung.
Ein eigenes Berechtigungssystem wäre ein halbes Jahr Entwicklungsarbeit - und am Ende eine halbgare Kopie dessen, was Active Directory bereits leistet.
Vor dem Einsatz: vier Gespräche führen.
Wer MZ-HyprNurs auf einer realen Station einsetzen möchte, führt vorher vier Gespräche. Das ist kein Kleingedrucktes, sondern eine Voraussetzung:
- Die Geschäftsführung gibt strategisch und haftungsrechtlich frei.
- Der Datenschutzbeauftragte prüft die DSGVO-Konformität - insbesondere, wenn Daten auf einem Netzlaufwerk liegen.
- Die Pflege- und Stationsleitung gibt fachlich frei und weist ein.
- Die IT-Abteilung prüft die Sicherheit, richtet das Netzlaufwerk ein und nimmt den Speicherpfad ins Backup-Konzept auf.
Ohne diese Freigaben entsteht Schatten-IT - ein rechtliches, haftungsrechtliches und datenschutzrechtliches Minenfeld, unabhängig davon, wie gut die Anwendung gemeint ist.
Der Name.
MZ-HyprNurs ist keine Rechtschreibschwäche. Der Name folgt der Namenskonvention der Community rund um Hyprland, einen Fenstermanager für Wayland. Dort bestehen Programmnamen aus vier Buchstaben - das Präfix Hypr ist bewusst so geschrieben. Nurs steht für Nursing, MZ für den Entwickler Marcel Zimmer.
Frei übersetzt: eine Anwendung von Marcel Zimmer, entstanden im Hyprland-Umfeld, für die Pflege. Dass Linux in deutschen Krankenhäusern heute kaum verbreitet ist, ist bekannt - doch das wird sich wandeln. Bis dahin läuft MZ-HyprNurs mit vollem Funktionsumfang auch unter Windows und macOS. Genau für diese Portabilität wurde Rust gewählt.
MIT-Lizenz.
Der Code steht unter MIT-Lizenz. Freie Nutzung, freie Änderung, freie Weitergabe - auch kommerziell. Nicht eingeschlossen sind Haftung, Gewährleistung und Support-Pflicht. Die Anwendung wird „as is" bereitgestellt.
Wer sie produktiv einsetzt, insbesondere in sicherheitskritischen oder medizinischen Umgebungen, ist selbst dafür verantwortlich, den Quellcode zu prüfen, zu verstehen und gegebenenfalls anzupassen. Eine Nutzung ohne vorherige Prüfung erfolgt auf eigenes Risiko. Das ist keine Floskel, das ist die Realität professioneller Open-Source-Software.
Fazit.
MZ-HyprNurs ist konsequent fokussiert. Die Anwendung löst eine klar umrissene Aufgabe - die strukturierte Schichtübergabe in der Pflege - und setzt diese präzise um: tastaturgeführte Bedienung, offenes Markdown-Format, plattformübergreifend, ressourcenschonend, ohne Cloud. Genau diese Fokussierung macht sie im Alltag wertvoll, wo bis heute vielerorts mit Word-Vorlagen und Papierstapeln gearbeitet wird.
Alle Dateien auf GitHub:
- Linux: mz-hyprnurs-linux-x86_64.zip
- macOS: mz-hyprnurs-macos-aarch64.zip
- Windows: mz-hyprnurs-windows-x86_64.zip
- Quellcode: github.com/marcelzimmer/mz-hyprnurs